About This Project

Digitalzeichnung (vektoriell)

Druckverfahren : Inkjet auf Büttenpapier. Auflage 5 (+1 Künstlerexemplar)
30 x 48 cm
2014

Der Scherenschnitt ist eine volkstümliche Kunst, die oft von Frauen ausgeübt wurde und die unter anderem in Schlesien besonders beliebt war. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs und den Vertreibungen entstand in Deutschland ein Markt für nostalgische Scherenschnitte, die die verlorene Heimat idealisierten und in denen weder Kriegsverbrechen noch Vertreibung vorkamen. Die Scherenschnitte von Künstlerinnen wie Maria Louise Kaempffe waren in zahlreichen Wohnzimmern zu finden, so auch bei meiner Grossmutter, umgeben von Fotos meines Grossvaters in Uniform, der später in Russland vermisst wurde.

Meine Eltern, die Generation der Achtundsechziger, betrachteten die Scherenschnitte skeptisch. Im politisch korrekten Nachkriegsdeutschland hatten die naiven Bilder, die von Auschwitz und Stalingrad nichts wissen wollten, keinen Platz. Heute scheint die Technik vergessen – oder wird unter rein ästhetischen Aspekten behandelt.

Die « Fraktalen Kartografien » entstehen in diesem Spannungsfeld. Die Technik der Vektorzeichnung erlaubt, endlos zu kopieren, zu vergrössern und zu deformieren und ermöglicht multiple Blickwinkel auf eine widerspüchliche Region und auf eine fraktale, im etymologischen Sinne “gebrochene” Identität.