• Werner Tornow
  • Hans Spaethe
  • Ilse Glauert geb. Speathe
  • Eduard Glauert
  • Gila Tornow
  • Erica Tornow geb. Wasserfall
  • Gunther Tornow
  • Margarethe Wasserfall
  • Helene Spaethe
About This Project

Speaking Silence

Kalligrafie / Chinatusche auf Büttenpapier
56 x 72 cm
2013/2014

Bewusst im Spannungsfeld zwischen Forschung und Interpretation angelegt, ist „Speaking Silence“ eine Spurensuche in meiner Familie, eine Serie von Porträts, bei denen jede Linie durch Text dargestellt wird. Als Kalligrafie, Chinatusche auf Papier, zeichnet die Arbeit die Spuren meiner Familienmitglieder nach, von den Eltern bis zu den Urgrosseltern, mit all ihren Brüchen und Kontinuitäten. Die dargestellten Personen werden mit und durch die Sprachen charakterisiert, die sie gesprochen, und durch das, was sie gesagt – oder verschwiegen – haben.
Durch meine doppelte künstlerische und wissenschaftliche Ausbildung interessiere ich mich für die Zusammenhänge von Text und Bild, besonders dort, wo Schrift und Bild ineinander übergehen: Nicht ohne Grund verweist der etymologische Ursprung des Wortes „graphein“ – die von der Hand hinterlassene Spur – sowohl aufs Zeichnen wie aufs Schreiben. In Anlehnung an Guillaume Appollinaires Kalligramme und die jüdische Mystik, laut der die Welt aus Sprache geschaffen wurde, ist die Familiengeschichte hier Bild und das Bild Erzählung.

Ich lebe seit Jahren in einer Sprache, die nicht meine ist, im Französischen, und bin mit der englischen und deutschen Sprache aufgewachsen. Die Gleichzeitigkeit von mehreren Sprachen und das Leben „in der Fremde“ sind gewissermassen Familientradition. Viele meiner Vorfahren mussten flüchten oder wurden vertrieben, einige sogar mehrfach. Diese Geschichte war in meiner Kindheit stets präsent, wenn auch selten darüber offen gesprochen wurde.
Die meisten meiner Vorfahren sprachen Deutsch, einige sprachen Russisch, Polnisch und Hebräisch, andere Französisch, Schweizerdeutsch und Luxemburgisch. Welchen Einfluss haben die Sprachen, die wir sprechen? Was geschieht, wenn wir sie aufgeben? Welche Auswirkungen haben Flucht und Vertreibung auf spätere Generationen?

Das Projekt ist in zwei Etappen geplant :

  1. Die Serie der Familienporträts. Recherchearbeit zu den dargestellten Personen – Fotos und Texte (Anekdoten, Gesetzestexte, Literatur, Kochrezepte, …) und die eigentliche „Erzählung“ der jeweiligen Personen mit Mitteln der Kalligrafie. Aktuell sind 9 Porträts fertig, 7 weitere sind in Arbeit.
  2. In einer zweiten Etappe möchte ich das Projekt auf Menschen ausserhalb der Familie ausweiten. Ich möchte mit Menschen sprechen, die selbst Vertreibung erlebt haben oder deren Vorfahren betroffen waren, um im Dialog mit ihnen die Spuren nachzuzeichnen und zu interpretieren.